Die Ackerbaustrategie 2035: sinnvolle Ziele, wenig Umsetzungsideen

Vor drei Wochen, kurz vor Weihnachten, präsentierte die Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, Julia Klöckner, das Diskussionspapier zur Ackerbaustrategie 2035. Im Folgenden möchte ich eine Einschätzung dieser Strategie wagen, mit Fokus auf Agrarumweltfragen – die eine zentrale Rolle in dem Papier spielen.

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Die Grenzen planetarer Grenzen

Planetare Grenzen sind eines der einflussreichsten Konzepte im heutigen Nachhaltigkeitsdiskurs. Die zwei Hauptpublikationen des Autor*innen-Teams um Johann Rockström und Will Steffen (Rockström et al 2009; Steffen et al 2015) wurden über 3,5 bzw. über 4 Tausend mal zitiert. Planetare Grenzen waren die konzeptionelle Grundlage des 2011er WBGU-Gutachtens Welt im Wandel und wurden durch Kate Raworths Donut-Ökonomie zusätzlich popularisiert. Doch wie so häufig mit so populären Ideen sind auch die planetaren Grenzen kritisch zu beäugen.

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Umweltsteuern, Arche Noah und das trostlose Theorem

Am 27. August 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, eine der interessanteren Gestalten der „Mainstream“-Ökonomik. Er war schon länger auf meiner und vieler anderer Wunschliste für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere für seine Beiträge zur Umweltökonomik. 2011 wurde er immerhin mit dem Leontief-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Nicholas Stern). Da ich Weitzman in meiner Auseinandersetzung mit der Ökonomik immer wieder begegnete, möchte ich hiermit ein paar seiner besonders interessanten Beiträge kurz würdigen.

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Über böse Flugreisen (nach D.C.), SCC und IAMs

Ich stehe gerade vor einem Dilemma, vor dem ich im Laufe meiner „wissenschaftlichen Karriere“ früher oder später stehen musste. Es wird von mir verlangt, dass ich in den 3 Jahren meiner Dissertation zumindest einmal eine internationale Konferenz besuche. Im jetzigen Stadium der Arbeit wäre das auch eine durchaus gute Idee. Problem? Die Konferenz, die am ehesten in Frage käme, findet nächsten Juni in Washington statt. Womit wir bei meinem Dilemma wäre – ich würde die Konferenz gern besuchen, verspüre aber eine tiefsitzende Abneigung gegen Flugreisen. Weiterlesen „Über böse Flugreisen (nach D.C.), SCC und IAMs“

Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit

Wir Umweltökonomen sind schon eine seltsame Spezies. Wir bepreisen die Natur. Wir betrachten sie als ein Bündel von Gütern und Quelle von Dienstleistungen bzw. als Naturkapital. Wir wägen materiellen Nutzen gegen die so vulgarisierten „Naturwerte“ im Sinne aggregierter Zahlungsbereitschaften ab, um den gesellschaftlichen Nettonutzen verschiedener Projekte „objektiv“ zu erfassen. Wir definieren Nachhaltigkeit auf eine seltsame Art und Weise als einen über die Zeit nicht-abnehmenden Konsumfluss. Und wir diskontieren bzw. zinsen auch noch ab, wodurch wir die Interessen künftiger Generationen „verschwinden lassen“. Haben wir sie denn noch alle? Weiterlesen „Diskontieren, Kosten-Nutzen-Analyse und Nachhaltigkeit“

Sollte man den Peak Oil fürchten?

Es gibt manchmal Texte, die hätte man als Blogger gern selbst geschrieben. Warum es viel zu viel Öl gibt von Jan Willmroth ist ein solcher Text (auf SZ.de) – eine knappe, schön sachliche, auf die gute Art ökonomische Analyse des Problems des angeblich zu befürchtenden Peak Oil. Hier ein Appetizer:

Irgendwann muss ein Zeitpunkt kommen, an dem die Ölförderung ihren Höhepunkt erreicht, ab dann wird immer weniger Öl aus dem Boden gepresst. Die möglichen Folgen dieser Entwicklung haben Experten seit den Fünfzigerjahren immer wieder dramatisch beschrieben: Es komme zu einer globalen Versorgungskrise, weil der Ölbedarf bald nicht mehr gedeckt werden könne, zu Ressourcenkriegen um die letzten Quellen, zu einer globalen Energiekrise, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Die eifrigsten Pessimisten sagten gar einen Zusammenbruch der Industriegesellschaft voraus.

Das alles klingt so logisch, wie es in Wirklichkeit irrelevant ist. Teilweise ist es sogar völlig verkehrt. [mehr…]