Wofür Modellierung sozial–ökologischer Systeme gut sein kann, Teil 2: Grenzen

Im vorherigen Beitrag habe ich versucht zu begründen, warum ich es (inzwischen) für sinnvoll und nützlich halte, mich Fragen der Umweltpolitik mithilfe von Modellen zu nähern. Nun möchte ich die dort gemachten Aussagen zum Potenzial der Modellierung sozial–ökologischer Systeme qualifizieren, indem ich auf ein paar ausgewählte Herausforderungen und Grenzen hinweise.

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Wofür Modellierung sozial–ökologischer Systeme gut sein kann, Teil 1: Potenzial

Hätte mich vor 3–4 Jahren jemand danach gefragt, wäre ich nie auf die Idee gekommen, dass Modellierung mal ein (wichtiger) Bestandteil meiner Forschung werden würde. Modelle, in denen menschliches Verhalten (im weitesten Sinne) eine Rolle spielt, stimmten mich immer skeptisch. Einer der frühesten Forschungsbereiche, mit denen ich mich auseinandersetzte, war die Klimaökonomik – und ich bin weiterhin der Meinung, dass ökonomische Klimamodelle (Integrated Assessment Models) grober Unfug sind. Da ich nun selbst angefangen habe, Modelle zu verwenden bzw. selbst zu modellieren, sehe ich mich manchmal gezwungen, dies vor mir selbst und vor Anderen rechtfertigen. Wann ist es denn sinnvoll, sozial–ökologische Systeme zu modellieren, und was ist dabei zu beachten?

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Die Grenzen planetarer Grenzen

Planetare Grenzen sind eines der einflussreichsten Konzepte im heutigen Nachhaltigkeitsdiskurs. Die zwei Hauptpublikationen des Autor*innen-Teams um Johann Rockström und Will Steffen (Rockström et al 2009; Steffen et al 2015) wurden über 3,5 bzw. über 4 Tausend mal zitiert. Planetare Grenzen waren die konzeptionelle Grundlage des 2011er WBGU-Gutachtens Welt im Wandel und wurden durch Kate Raworths Donut-Ökonomie zusätzlich popularisiert. Doch wie so häufig mit so populären Ideen sind auch die planetaren Grenzen kritisch zu beäugen.

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Neue Domain

Liebe Leser*innen,

Skeptische Ökonomie hat ab heute eine neue Domain: skeptischeoekonomie.net Von der alten wordpress.com-Adresse wird man weiterhin hierher weitergeleitet. Außerdem sollte keine störende Werbung mehr eingeblendet werden.

Ende der Durchsage. BB

Verhalten an der Ladentheke vs. Verhalten an der Urne

Was bei Landwirt*innen in Deutschland (aber auch anderswo) häufig zu Unmut führt, ist die Diskrepanz zwischen, einerseits, den Forderungen an die Landwirtschaft, die in Zeitungskommentaren, Demonstrationen, Talkshows, Petitionen und Volksbegehren geäußert werden und, andererseits, dem typischen Konsumverhalten. Vereinfacht geht es darum, dass viele Menschen von der Landwirtschaft offenbar mehr Umwelt- und Tierschutz fordern – gleichwohl nicht bereit zu sein scheinen, die damit einhergehenden höheren Lebensmittelpreise zu akzeptieren. Dabei gibt es zahlreiche Erklärungen für diese Variation des valueaction/attitudebehaviour gap.

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Bio ist nicht die Lösung – aber kurzfristig die richtige Wahl

Die Bio-Landwirtschaft pflegt das Image der Weltretterin. Wer tut das nicht? Und es ist auch tatsächlich viel dran – lange Fruchtfolgen, halbwegs geschlossenen Kreisläufe, Strukturelemente und viele andere Komponenten der Bio-Landwirtschaft sind wichtige Ingredienzien einer nachhaltigen Landwirtschaft der Zukunft. Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. Bio-Landwirtschaft ist wertvoll als Nische – aber nicht flächendeckend und langfristig. Und trotzdem: kurzfristig ist sie tendenziell die richtige Wahl, wenn man an nachhaltig produzierten Lebensmitteln interessiert ist.

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Über die Schwierigkeit, eine Meinung zu haben

Nie znam się, ale się wypowiem.

„Ich kenne mich nicht aus, ich möchte aber eine Meinung äußern.“ (notabene: ein schönes Beispiel für die mich immer wieder faszinierende Umständlichkeit der deutschen Sprache) Nicht nur in Polen, wo dies inzwischen ein geflügeltes Wort geworden ist, ist dieses Phänomen insbesondere in politischen Debatten und in sozialen Medien verbreitet. Gerade bei kontroversen Themen – Ernährung, Klimaschutz, Bildung und Erziehung, Landwirtschaft, Finanzwirtschaft – äußern wir uns häufig auf Basis sehr selektiven und oberflächlichen, manchmal schlicht falschen Wissens. Wenn mit für unsere Meinung „problematischen“ Informationen konfrontiert, tendieren wir dazu, diese kognitive Dissonanz durch Ablehnung und kramphaftes Festhalten an unserer „Wahrheit“ aufzulösen. Doch selbst, ja gerade, wenn wir uns bemühen, offen zu bleiben, und eine Bereitschaft, unsere Meinung zu ändern, an den Tag legen wollen – stehen wir vor großen Herausforderungen, überhaupt noch so etwas wie eine Meinung haben zu können.

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Umweltsteuern, Arche Noah und das trostlose Theorem

Am 27. August 2019 verstarb im Alter von 77 Jahren der Harvard-Ökonom Martin Weitzman, eine der interessanteren Gestalten der „Mainstream“-Ökonomik. Er war schon länger auf meiner und vieler anderer Wunschliste für den Nobel-Gedenkpreis für Wirtschaftswissenschaften, insbesondere für seine Beiträge zur Umweltökonomik. 2011 wurde er immerhin mit dem Leontief-Preis ausgezeichnet (zusammen mit Nicholas Stern). Da ich Weitzman in meiner Auseinandersetzung mit der Ökonomik immer wieder begegnete, möchte ich hiermit ein paar seiner besonders interessanten Beiträge kurz würdigen.

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