„Nennen Sie uns Ihre drei wichtigsten Publikationen“

Diese oder eine inhaltlich ähnliche Frage hört man als Wissenschaftlerin öfters – in Bewerbungs-, Entfristungs- oder sonstigen für die Karriere entscheidenden Gesprächen. Doch was heißt „die wichtigsten Publikationen“ überhaupt?

Sind meine wichtigsten Publikationen diejenigen, die am häufigsten zitiert werden? Oder eher diejenigen, auf die ich am meisten stolz bin bzw. von deren wissenschaftlicher Qualität ich selbst am meisten halte? Oder sind es solche, die in besonders renommierten Zeitschriften oder bei besonders renommierten Verlagen veröffentlicht wurden? (und falls ja, wie stellt man „Renommee“ fest – durch eigene subjektive Einschätzung oder aufgrund bspw. des Impact Factors?) Oder sind vielleicht diejenigen Publikationen „meine wichtigsten“, die für mein Forschungsprofil zentral sind? Oder sind es gar diejenigen, bei denen die Gutachter*innen am wenigsten „gemeckert“ haben?

Je nach Interpretation der Eingangsfrage kommt man zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Um dies (auch für mich selbst) zu verdeutlichen, habe ich jeweils meine drei „wichtigsten” Publikationen anhand der oben genannten Kriterien zusammengestellt.

Zitationen (Quelle: Scopus)

  1. Lienhoop, Bartkowski, Hansjürgens, 2015. Informing biodiversity policy: The role of economic valuation, deliberative institutions and deliberative monetary valuation. Environmental Science & Policy [33 Zitationen]
  2. Bartkowski, Lienhoop, Hansjürgens, 2015. Capturing the complexity of biodiversity: A critical review of economic valuation studies of biological diversity. Ecological Economics [30 Zitationen]
  3. Cord et al., 2017. Towards systematic analyses of ecosystem service trade-offs and synergies: Main concepts, methods and the road ahead. Ecosystem Services [25 Zitationen]

Korrigiert man für das „Alter“ der Publikationen, würde sich in meinem Fall lediglich die Reihenfolge ändern, nicht die Zusammensetzung der Top 3; auch Google Scholar statt Scopus würde zu ähnlicher Veränderung führen.

Renommee Impact Factor

  1. Helming et al., 2018. Managing soil functions for a sustainable bioeconomy – assessment framework and state of the art. Land Degradation & Development [IF 7,3]
  2. Strunz, Bartkowski, 2018. Degrowth, the project of modernity, and liberal democracy. Journal of Cleaner Production [IF 5,7]
  3. Bartkowski, 2017. Degrowth, organic agriculture and GMOs: A reply to Gomiero (2017, JCLEPRO). Journal of Cleaner Production [IF 5,7]

Renommee subjektiv

  1. Droste, Bartkowski, 2018. Ecosystem Service Valuation for National Accounting: A Reply to Obst, Hein and Edens (2016). Environmental and Resource Economics
  2. Schaafsma, Bartkowski, Lienhoop, 2018. Guidance for Deliberative Monetary Valuation studies. International Review of Environmental and Resource Economics
  3. Lienhoop, Bartkowski, Hansjürgens, 2015. Informing biodiversity policy: The role of economic valuation, deliberative institutions and deliberative monetary valuation. Environmental Science & Policy

Angenommen nach minor revisions

  1. Bartkowski, 2017. Degrowth, organic agriculture and GMOs: A reply to Gomiero (2017, JCLEPRO). Journal of Cleaner Production [2 Tage, kein Peer-Review]
  2. Lienhoop, Bartkowski, Hansjürgens, 2015. Informing biodiversity policy: The role of economic valuation, deliberative institutions and deliberative monetary valuation. Environmental Science & Policy
  3. Klauer, Bartkowski, Manstetten, Petersen, 2017. Sustainability as a Fair Bequest: An Evaluation Challenge. Ecological Economics

Zentral fürs Forschungsprofil

  1. Bartkowski, Bartke, 2018. Leverage points for governing agricultural soils: a review of empirical studies of European farmers’ decision-making. Sustainability
  2. Bartkowski, Baum, 2019. Dealing with rejection: An application of the exit–voice framework to genome-edited food. Frontiers in Bioengineering and Biotechnology
  3. Bartkowski, Hansjürgens, Möckel, Bartke, 2018. Institutional economics of agricultural soil ecosystem services. Sustainability

Hier war ich mir übrigens recht unsicher, weil mein Forschungsprofil immer noch in Bewegung ist und ich nicht weiß, wie viel von dem alten Fokus hier noch Relevanz hat bzw. haben sollte…

Eigener Stolz

  1. Schaafsma, Bartkowski, Lienhoop, 2018. Guidance for Deliberative Monetary Valuation studies. International Review of Environmental and Resource Economics
  2. Bartkowski, Baum, 2019. Dealing with rejection: An application of the exit–voice framework to genome-edited food. Frontiers in Bioengineering and Biotechnology
  3. Bartkowski, Lienhoop, 2018. Beyond Rationality, Towards Reasonableness: Enriching the Theoretical Foundation of Deliberative Monetary Valuation. Ecological Economics

Man merkt schon (und das wollte ich zeigen), dass je nach Kriterium die Zusammensetzung sehr unterschiedlich ist – zwar kommen einige Publikationen mehrmals vor, aber das kann z. T. an ihrer immer noch relativ überschaubaren Gesamtzahl liegen. Gleichwohl liegt der Fokus bei der Beurteilung von Publikationen in der Regel auf den ersten beiden und eventuell dem vorletzten Kriterium – wie oft werden sie zitiert? Wie renommiert sind die Zeitschriften? Wie gut passt das alles zusammen zu dem, was man sein „Forschungsprofil“ nennt? (Dass die ersteren beiden Kriterien für die Wissenschaft generell sehr problematische Konsequenzen haben, habe ich bereits in einem Beitrag diskutiert.) Hinzu kommt, dass in der Regel eigentlich nur solche Publikationen „zählen“, auf denen man Erstautor*in (manchmal auch Letztautor*in) ist. Doch sind das in Wirklichkeit nicht unbedingt die wichtigsten, besten, bedeutendsten Publikationen.

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